|








|
|

requiem
DENNIS DEL FAVERO UND TONY MACGREGOR
ausstellungseröffnung: 14. september 2001, 18 -
21 h
öffnungszeiten: mittwoch - freitag 14 - 18 h, sonntag 15 -
18 h
ausstellungsdauer: 15. september - 20. oktober 2001
Klein-Krushe - Feim Batusha, ein 10-jähriger Junge aus dem
Dorf Klein-Krushe im Kosovo wurde heute in einem Keller versteckt
von UNPROFOR-Kräften gefunden. Der Bub erzählte, wie in
der Woche zuvor die Säuberungstruppen den ersten Angriff der
NATO abwarteten, bevor sie in das Dorf eindrangen und alle männlichen
Familienmitglieder in Großmutter Batushas Schuppen sperrten,
bevor sie ihn in Brand steckten. Feim war der einzige Überlebende.
Sein Vater hatte sich über ihn geworfen, um ihn vor den Flammen
zu schützen. Unter dem Schutt des Schuppens fand das forensische
Team der UNPROFOR die Überreste folgender Personen: Ahmed Batusha,
7; Amrush Batusa, 4; Asslan Batusha, 6; Avdi Batusha, 5; Bekim Batusha,
11; Beqir Batusha, 8; Enver Batusha, 10; Fnu Batusha, 9; Haxi Batusha,
8; Lirim Batusha, 6; Miliam Batusha, 13; Sulejman Batusha, 7; Zaim
Batusha, 3.
Der Kunstbunker Tumulka zeigt zur diesjährigen OPEN ART eine
Videoinstallation der bekannten australischen Künstler Dennis
del Favero und Tony MacGregor mit dem Titel "Requiem". Die Ausstellung
wurde, nachdem sie 1999 im Landeszeughaus in Graz und der John Curtin
Gallery in Perth zu sehen war, speziell für die Räume
des Kunstbunkers weiterentwickelt.
Während "Requiem" an den einzelnen Ausstellungsorten sehr
verschiedene Formen annimmt, wird das Hauptthema des Künstlers-der
Krieg als kritischer Ort der Bildung männlicher Identität
und Männlichkeit, sowohl in der Vergangenheit als auch in der
Gegenwart - zwingend und kraftvoll vermittelt, wo immer es auch
präsentiert wird. Die jüngsten schrecklichen Ereignisse
in Bosnien, Kroatien, Serbien und dem Kosovo sind nur eine weitere
Demonstration der anhaltenden tödlichen Anziehungskraft des
Krieges. Derartige Konflikte legen erneut Zeugnis davon ab, dass
der Krieg sowohl für Individuen als auch für Nationen
- in einem wörtlichen und grauenhaften Sinn - einen Übergangsritus
darstellt.
Dennis del Favero und seine künstlerischen Partner arbeiten
seit fünfzehn Jahren an ihren komplexen multimedialen Installationen,
von denen sich viele mit den asiatischen und europäischen Kriegen
des späten 20. Jahrhunderts beschäftigen. Indem sie die
persönlichen Geschichten vertriebener Flüchtlinge mit
den Alpträumen der Kämpfenden verknüpften, waren
diese Installationen sowohl Anklagen als auch ein aufgewühlter
Lobgesang auf das Überleben. In "Reqiuem" haben es Dennis del
Favero und Tony MacGregor geschafft, nicht nur für die Toten
oder die Überlebenden im ehemaligen Jugoslawien ein Requiem
zu schreiben, sondern für all jene, die heute versuchen, in
den Kriegen auf dieser Welt am Leben zu bleiben.
Die Galerie Abdreas Binder zeigt gleichzeitig die Installation
"Pentimento" von Dennis del Favero.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
|
|
|