kalte herzen

ausstellungseröffnung: freitag 10. september 2004, 18 h
ausstellungsdauer: 11. september - 17. oktober 2004
öffnungszeiten: dienstag 14 - 18 h, freitag 14 - 20 h, samstag/sonntag 12 - 20 h
 
 
Die Klasse Rautert der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zeigt Fotografie, Videoarbeiten, Installationen und Objekte.

In der "Geschlechtertheorie künstlerischer Ausdrucksweisen" galt die Fotografie - etwa im Vergleich zur Malerei - vielen Betrachtern als ein maskulines Medium: wenig sinnlich, vorwiegend intellektuell und vermeintlich kalt. Das technische Bild als Produkt der konstatierenden Beobachtung, Registrieren nahe am Resignieren.

Viele Arbeiten, die in der Ausstellung "Kalte Herzen" zu sehen sind, dekonstruieren den distanzierten Blick der technischen Bilder (Foto und Film), oder sie unterlaufen ihn auf ironische Weise. Nur selten handelt es sich hierbei um reine Bestandsaufnahmen. Oftmals gehen den Bildern Strategien der Inszenierung voraus. Ohne jegliche Sentimentalität zeigen die ausgewählten Arbeiten eine emotionale, bisweilen obsessive Intensität, die sich in absurden Haltungen und Akten des Widerstands entlädt.

Andere Positionen gehen eher von einem kunstimmanenten Ansatz aus. Bilder werden zu Instrumenten, die die Bedingung ihrer eigenen Ästhetik, Funktion und Bedeutung hinterfragen. Vielleicht ist das hermetische Gebäude des Kunstbunkers der richtige Ort, um in der Fotografie (und im Video) nicht ein Fenster zur Wirklichkeit zu entdecken, sondern viel mehr ihren Status als visuelle Repräsentation, als Bild und Behauptung.

Der Kunstbunker Tumulka, ein ehemaliger Hochbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, ist ein hermetischer und fensterloser Bau, ein außen und innen weiß getünchter "White Cube", dem die sonst übliche Neutralität fehlt und dessen massiver Wirkung man etwas entgegensetzen muss. Somit ist er der richtige Ort für die Arbeiten einer jungen Generation, die die gezähmte Position der reinen Beobachtung und Bestandsaufnahme hinter sich lässt, die auf die vorgegebene Wirklichkeit reagiert und in sie eingreift.

Inszenierungen und performative Akte, die der fotografischen Bildwirklichkeit vorausgehen, sind die bevorzugten Arbeitsweisen dieser Generation. Für sich genommen ist dies nichts neues. Bereits in den letzten 30 Jahren griffen gerade Künstlerinnen und Künstler auf das für sie fremde und arme Medium der Fotografie zurück, um ihre Aktionen und Travestien zu dokumentieren. Nun verläuft die Aneignung jedoch in die entgegen gesetzte Richtung: Studierende der Fotografie bemächtigen sich anderer Ausdrucksmittel, sie erweitern ihre apparative Sichtweise um die Ästhetik und die narrative Kompetenz des Videos. Inszenieren und fertigen Installationen, als autonome Objekte oder als Konstrukte für das Auge der Kamera - und bringen dabei ihre spezifisch fotografische Bildkultur mit.

Die Kameramedien stehen dennoch im Mittelpunkt von "Kalte Herzen", auf diese Weise ist die Ausstellung auch ein Dokument der verschiedenen zeitgenössischen Präsentationsweisen von Foto und Video: Das "Große Stille Bild" trifft auf die Monitorinstallation, serielle und kleinteilige Arbeiten auf das projizierte Kinoformat. Die medialen Grenzen einer Fotoklasse werden überschritten, plastische Arbeiten im Raum sind zu sehen, die auch auf die räumliche Struktur und auf die (historische) Gestalt des Bunkers Bezug nehmen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 128 Seiten sowie eine Edition

   
 

 

 

nach oben

zurück