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suspense intact
oder
lässt euch doch mal auf die folter spannen
ausstellungseröffnung: montag 7. juni 2004, 19
h
performance „heimat-stück“ mit juliane kosarev 19.30 h
ausstellungsdauer: 8. Juni - 25. juli 2004
öffnungszeiten: dienstag 14 - 18 h, samstag/sonntag 15 -
18 h
Der Schweizer Installations- und Performancekünstler Beat
Toniolo im Kunstbunker Tumulka. Texte von Ursula Haas.
„Geschichte ist nicht Vergangenheit, sie ist Gegenwart.“
Unter diesem Credo versteht der 1962 in Schaffhausen geborene Schweizer
Polit- und Performance-Künstler Beat Toniolo seine künstlerischen
Arbeiten.
Er lebt seit 1992 als „Europäer mit Schweizer Pass“ im Elsass
und seit 1996 arbeitet, initiiert und organisiert er als freischaffender
Künstler Kunst- und Kulturanlässe (u.a. das 1. „Wort-
und Bild Festifall“ am Rheinfall, 2003).

1992 wurde die Grundlage geschaffen, sich mit „Gewalt, Krieg und
Menschenrecht“ in verschiedenen Kunstgenres – Installationen, Objekte,
Performances, Materialbilder - zu befassen: Einerseits der frühe
Tod des Vaters und als der ‚Genozid in Jugoslawien’ zu wüten
anfing. Aber auch die Vergesslichkeit und Ignoranz Schweizer Politiker
und Firmen, sich mit der „Schweizer Wahrheit während und nach
dem 2. Weltkrieg“ zu befassen: „verdrängt ist verdrängt
ist vergessen“ Musste er keinen Krieg selbst miterleben, fühlt
er sich jedoch von den aktuellen Kriegsgeschehnissen und der „Bush-Regierung“
tief betroffen.
Eindrücke, die er auf einer Reise nach Sarajevo und Mostar
1996 sammelte prägten ihn nachhaltig – er kann und will sich
angesichts der Schicksale, der Gewalt und der Zerstörung nicht
gleichgültig verhalten. Beat Toniolo will mit seiner Kunst
zum Denken und Handeln aufrufen, wachrütteln und Dialoge anstoßen.
Kern des Werks von Beat Toniolo ist die Inszenierung von
gesellschaftskritischen Aspekten durch Installationen und „Performance-Acts“.
(u.a. Ausstellung mit Günther Uecker im Kunsthaus Grenchen,
2000, „Kunst><Politik“ und den unbewilligten und teilweise
verbotenen Performances seit 1999 an der „ART Basel“, 2003 „Joseph
Beuys, wo bist Du?“)
In einem Bericht (NeueZürcherZeitung, Zürcher Kultur,
20.1.1999) über seine Arbeit und die 7 Tonnen-Installations-Ausstellung
in Basel („ich krieg den frieden nicht hin“) lässt sich
Beat Toniolo zitieren: „Ehrlich hat die Kunst vor allem zu
sein, das ist wichtiger, als dass sie den Anspruch erhebt, immer
nur schön zu sein.“
Zur Installationsausstellung „Wo – Schweiz – Hin?“ ( Schaffhausen,
1995) hat Beat Toniolo zusammen mit Prof. Dr. Silvio Borner
(Ordinarius für angewandte Wirtschaftsforschung der Universität
Basel) einen „künstlerischen Politauftritt“ inszeniert. Dabei
entstand eines dieser plakativen, symbolistischen und provokanten
Kunstwerke: ein Schweizer Kreuz aus lauter NEIN, NON, NO. Sie sollen
die Haltung der Schweiz im Dezember 1992 gegenüber der Europafrage
aufzeigen: „Mehr als mit vielen Worten brachte Beat Toniolo
seine Aussage auf den Punkt; das war genial und optisch wirkungsvoll
umgesetzt,“ so Prof. Silvio Borner.

Auch mehr als zehn Jahre später bleibt die Europafrage aktuell:
„Toniolo’s Kreuz ist und bleibt ein eindrückliches, weil „Blicke
fangendes“, Mahnmal gerade in einer Zeit, in der das Schweizer Kreuz
nur noch als Werbegag zu sehen ist.“ (Zitat Prof. Borner, 2004)
Diese scharf artikulierten und provokanten Kunstaktionen, die sich
aus gesellschaftlichem Engagement heraus kritisch mit seiner helvetischen
Heimat auseinandersetzen machten Beat Toniolo bekannt; er
schafft sich aber damit nicht nur Freunde.
Warum nicht, sich über „die Heimat und der Gesellschaft“ in
einer heutigen „hyper-trendigen Spassgesellschaft“ zwischen BigBrother-,
psychologischen Striptease TV-Shows und den
herangezüchteten „Schauspiel- Musiksternchen“ Bildern eine
gehaltvolle, bild-liche und wort-getreue Ansicht zu machen und diese
dann in einer „künstlerischen Form“ darzustellen?
Beat Toniolo ist es in einer reizüberfluteten Um- und
Medienwelt wichtig, dass Kunst („Was ist denn Kunst überhaupt?“)
Nähe wahrt, keine „intellektuelle“ Distanz, aber Fragen schafft.
Ihm ist es wichtig, Diskussionen zu eröffnen. Es entstehen
verschiedene künstlerische Ausdrucksformen, die das Publikum
zur kontinuierlichen Auseinandersetzung anregen.
„Kunst soll nicht als kommerziell elitäre Haltung gegenüber
dem Betrachter dienen, vielmehr wäre es Aufgabe, dem Geschehen
in der Gesellschaft einen kritischen Beitrag zum Disput zu bieten.“
Beat Toniolo
„suspense intact“
Beat Toniolo und Ursula Haas (Schriftstellerin und
Librettistin aus München, www.poetessa.de)
sind seit Jahren ein Team; Themen- und Projektbezogen verfolgen
sie ihre Stilrichtung: klar, resolut und kritisch zeigen sie das
Spiegelbild der Gesellschaft.
Die Installationen, Objekte und Texte stammen aus Schweizer Ausstellungen
von 2000, 2001, 2003 und 2004, aktualisiert und speziell für
den Bunker installiert– in Deutschland werden sie im Kunstbunker
Tumulka zum ersten Mal gezeigt. Die Arbeiten haben an Brisanz nichts
eingebüsst – im Gegenteil. Die Installationen, Objekte und
Texte sind nicht starr und definitiv zu verstehen. Sie behalten
Form und Inhalt, erfahren aber durch ‚kompatible Eingriffe’ und
neue Räumlichkeiten (Bunker) Veränderungen ohne der Redundanz
zu verfallen. Mindestens zwei Räume widmet der Künstler
den neuesten Geschehnissen.
Performances
Am Samstag, den 29. Mai von 11 – 17 Uhr will Beat
Toniolo am Rosenkavalierplatz „Rosenköpfen“.
In Anbetracht der aktuellen Finanz- und Sparmaßnahmen (der
Stadt München und der Schweiz) und der daraus entstehenden
restriktiven Kulturförderung wird die Symbolik der Rose „eingesetzt“
und geköpft.
„Heimat-Stück“ heißt die Performance
mit Juliane Kosarev im Kunstbunker Tumulka am Montag,
den 7. Juni um 19.30 Uhr. Die Bunker-Besucher sind eingeladen,
Beat Toniolo einen persönlichen Heimat-Stück-Gegenstand
‚mit Geschichte’ zu übergeben – der wird fotografiert, aufgeschrieben
und im Raum platziert.
Er wird weiterhin in weiße Blockseifen vom „Seifenkreuz“,
ein aus 2500 Seifen hergestelltes Kreuz, ein „Heimat-Wort“
des Besuchers mit einer Feder einritzen und mit Asche (von verbrannten
Zeitschriften) auffüllen, dieses „Wort-Stück“ wird dann
ein Teil des Kreuzes. Hier „dient das Kreuz als symbolträchtige
Instanz“...
„Was muss, was kann, was darf Kunst? Kunst muss wahrhaftig sein,
sie soll uns berühren, sie darf anstössig sein. Künstler
können sich Freiheiten nehmen, die uns irritieren, erschrecken
oder gar verstören, die unsere überkommenen Ansichten
infrage stellen. Auch so trennt sich die Kunst vom banalen Leben
und erzeugt einen Mehrwert, der uns neue Erkenntnisse verschafft.“
Zitat Axel Hecht, ART Chefredakteur /2002
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