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friendly
fire
ausstellungseröffnung: montag 13. juni 2005, 19 h
performance: montag 13. juni 2005 ca. 20 h mit wolfgang z. keller
ausstellungsdauer: 14. juni - 24. juli 2005
öffnungszeiten: dienstag 14 - 18 h, samstag/sonntag 15 - 18
h
finissage zur ausstellung: sonntag 24. juli
2005, 18 - 21 h
einführung: ortsgebundene lesung
klangperformance: "ooops..." mit thobias weber und wolfgang roth
von geheimrevue
Friendly Fire = getroffen wird unabsichtlich die eigene Truppe (...das
eigene Volk, Familie, Freunde...).
Aus verschiedenen Blickwinkeln beschäftigen sich die fünf
Münchner Künstler Christian Hinz, Wolfgang Z. Keller,
Christopher Lewis, Roland Poellinger und Hermann Posch mit dem "Friendly
Fire".
Multimedia
Die Arbeiten von Christian Hinz beginnen dort, wo ein Mensch anfängt,
sich für Waffen zu interessieren. Wo man beginnt, sich bewusst
oder unbewusst von ihrer Notwendigkeit zu überzeugen. Im Erwerb
einer Waffe stehen eine Reihe von Erwartungen und Wünschen.
Mit einer Waffe in der Hand erscheint einem selbst ein enger Vertrauter
fremd. Nebeneffekte des tatsächlichen Gebrauchs einer Waffe
können posttraumatische Zustände und ein Leben voller
Selbstvorwürfe sein - ein Zustand, der der Zerstörung
der eigenen Seele gleich kommt: Sozusagen ein Friendly Fire gegen
die eigene Person. In Diashows zeigt uns Christian Hinz Web-Fundstücke,
bei denen es sich um Waffen und Dinge aus dem Umfeld handelt - Dinge,
die aus kommerziellem Interesse auf ästhetische Weise dargestellt
werden. Daneben nimmt uns der Künstler mit in ein Kaufhaus,
zeigt uns eine Möglichkeit, wie sich Kunst gegen Krieg wehren
kann und schickt uns - einer Figur eines Computerspiels gleich -
durch die Räume des Kunstbunkers Tumulka.

Malerei
Christopher Lewis untersucht etablierte und nicht etablierte Informations-
und Orientierungssysteme anhand von Icons und Symbolen. Als Symbol
steht "Friendly Fire" auch für die beliebigen Anpassungsmöglichkeiten
strategisch steuerbarer Informationen auf jede Art von System. Jeder
Mensch ist - auch im Nichtkrisengebiet - immerzu "freundlichen",
nur harmlos erscheinenden Kriegen ausgesetzt, in denen er unweigerlich
Teile seiner Persönlichkeit und somit seine Orientierung verliert.
Piktogramme als omnipräsente Zeichen geben uns im Alltag wichtige
Hilfestellungen. Sie bedienen sich einer neutralen überindividuellen
Bildsprache. Christopher Lewis thematisiert in seinen auf Gewebeplanen
gemalten überdimensional großen Piktogrammen die Fehlerhaftigkeit
oder Undurchführbarkeit gezielter Vorhaben. Vertraute Bildzeichen
werden mit neuen Bedeutungen aufgeladen - in ihrer Gesamtheit fügen
sie sich zu einem "großen Lebens- und Wirtschafts-Plan" zusammen.
Video
Roland Poellinger führt uns die Ursachen des Friendly Fire
vor Augen, wie sie Teil jeder Begegnung von Menschen sind: mangelhafte
Informationsvermittlung, rasterhaftes Erkennen, fehlleitende Reflexion.
Wir projizieren unsere Gedanken und unser Selbst auf die Umwelt,
richten unser Tun auf diese überlagerte Wirklichkeit aus und
geraten dadurch in eine Rückkopplung aus Wahrheiten und Scheinwahrheiten.
Die Videokonzeption von Roland Poellinger wirft die Frage auf, wo
die Grenze der Wahrnehmung und unseres Denkens liegt und ob sie
überwunden werden kann.

Fotografie
Hermann Posch: "Deformation durch Definition ist kollateraler Schaden
von Begegnung. Eine Kamera ist ein selbstloses präzises Gerät."
Der Künstler entwickelt aus Fotografie und Musik eine dreiteilige
Installation über Meinungsbildung und deren immanente Verfehlung.

Performance: Friendly Feier
Wolfgang Z. Keller bezieht "Friendly Fire" auf "Friendly Feier"
(Last Supper, erste Annäherung). Vor einer Reminiszenz an da
Vincis "Letztes Abendmahl" ist eine schlichte, weiße Tafel
mit dreizehn Gedecken aufgebaut. An dem Platz, wo da Vinci Judas
postiert hat, sitzt auf dem einzigen Stuhl in starrer Pose der Künstler.
Wolfgang Z. Keller lädt die Besucher des Eröffnungsabends
ein, an der Inszenierung aktiv teilzunehmen. Mit verschiedenen Wurfmaterialien
kann auf die Szenerie "gefeuert" werden. Der Schauplatz der Inszenierung
wird unverändert in seinem Endzustand belassen - die Aktion
auf Video aufgezeichnet und über einen Monitor abgespielt.
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