storms

ausstellungseröffnung: montag 14. märz 2005, 19 h
ausstellungsdauer: 15. märz - 1. mai 2005
öffnungszeiten: dienstag 14 - 18 h, samstag/sonntag 15 - 18 h
finnisage: sonntag 1. Mai 2005, 19 h


 
Susan Sontag sagte in `Über Fotografie´: "Etwas, wovon wir gehört haben, woran wir aber zweifeln, scheint `bestätigt´, wenn man uns eine Fotografie davon zeigt". Damit beschäftigen sich die Fotoarbeiten der drei irischen Künstler Orla Connolly, Austin Hearne und Jenny Keogh in ihrer Ausstellung storms im Kunstbunker Tumulka.

"Der allgemeine Wahnsinn"
Austin Hearne versucht mit seinen Arbeiten seiner Umwelt einen Sinn zu geben. Er benutzt die Kamera in erster Linie als Tagebuch, als ein Werkzeug, um Ereignisse aufzunehmen - die Menschen und den "allgemeinen Wahnsinn" seiner Umgebung. Austin Hearnes Objekte sind meist seine Familie und enge Freunde - die durch Trunkenheit völlig die Kontrolle verloren haben. Jedes einzelne Bild wird zu einer Bühne der Tragikomödie. Beim Betrachter drängt sich einerseits die Frage nach dem Grund des exzessiven Alkoholkonsums auf. Andererseits muss er ob der Absurdität der Situationen lachen. Mit seinen A0-großen Schnappschüssen lädt Austin Hearne den Besucher in seine Chaos-Welt ein.



Memory-Room
Jenny Keoghs Arbeit `windows to the soul´ zeigt den Prozess der Rekonstruktion während der letzten Monate des Lebens ihrer Mutter. Diese Frau - ihre Mutter - wird als Tochter, Freundin, Frau, Mutter und Mensch betrachtet. Jenny Keogh unternimmt eine fotografische Reise durch ihr Leben. Bilder einer strahlenden, lachenden Mutter wurden mit der Videokamera abgefilmt, vom Bildschirm abfotografiert, blau getönt und auf Übergröße ausgedehnt. Den Besucher erwartet der verzweifelte Versuch, Zeit zu kontrollieren und die Mutter am Leben zu erhalten. In einem klinisch weißen, "himmlischen" Raum bekommt das große, blaue, lachende Gesicht neues Leben. Durch den Pixeleffekt der Mehrfachbearbeitung scheinen sich die Bilder zu bewegen. Sie zeichnen ein naives und idealisiertes Bild der Mutter - in der Farbe der heiligen Jungfrau: blau.



umbra nihili
Orla Connollys Rauminstallation umbra nihili (unter dem Schatten von nichts) ist die Gegenüberstellung von Psychologie, Religion, Existenz und Vergänglichkeit. Sie stellt die Frage nach Erlösung. Die Künstlerin kehrte in den Therapieraum zurück, in den sie als `troublesom teenager´ geschickt wurde. Die Bilder sind wie ein Gedankenfluss: schöne Blumen, Schlachthofszenen, Portraits, Heiligenschreine - abstrakte Zusammenhänge, Gedankenbilder und Assoziationen, die in einem himmelblauen Raum eine surreale Welt entstehen lassen. Über die Wände flimmern einzelne Worte und Sätze - sie schaffen einen Zusammenhang zwischen Bild und Text. Die Installation könnte ein Gedanke, ein Aufflackern im Gehirn eines Individuums sein.



Die Arbeit `nobody saved the communion girl from the northside´ zeigt ein Mädchen bei der Heiligen Erstkommunion. Sie trägt ein sexy weißes Kommunionkleid. Das Foto wurde in einer Kirche aufgenommen. Orla Connolly bekam es mehrmals als "Schockbild" per E-Mail zugeschickt - eine Beschäftigung des modernen Menschen. Die Künstlerin stellt dem Bild die Texte der E-Mails gegenüber. Sie zeigt so den abstrakten Zusammenhang von Bild und Text in der virtuellen Welt des Internet - die wir alle als normal akzeptieren.

In der Ausstellung storms arbeiten die Künstler Orla Connolly, Austin Hearne und Jenny Keogh zum ersten Mal zusammen - sie zeigen emotionale Stürme auf allen Ebenen.

"There´s nothing less after the storm than before. There´s something else." (Jean Paul Sartre)
   
 

 

 

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