diasporas and troubles

SECHS KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER
ÜBER DAS FREMDSEIN
zoltan balla, ungarn; doris frohnapfel, deutschland; ronni shendar, israel; nick stewart, irland; kristof szabo, ungarn; tanya ury, großbritannien/deutschland

ausstellungseröffnung: 5. november 2007
dauer der ausstellung: 6. november - 16. dezember 2007
finissage: sonntag 16. dezember 2007, 15 h
performance red hot pokers mit tanya ury und kristof szabo
kuratorin: tanya ury
 

"Du sollst eine Diaspora sein in allen Reichen auf Erden."
5. Mose (Deuteronomium) 28,25

Zusammen mit der Kuratorin Tanya Ury sammeln fünf Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Irland, Israel und Ungarn ihre persönlichen Erfahrungen des Fremdseins. Eindrücke des Reisens, das Trauma des Fremdseins und die Ethik der Kolonialsierung des Menschen sind Themen ihrer Installationen, Fotoarbeiten und Videos. Die Künstler: Zoltan Balla, Doris Frohnapfel, Ronni Shendar, Nick Stewart, Kristof Szabo, Tanya Ury.

In der Performance Red Hot Pokers zur Finissage am 16.12.07 greift Tanya Ury eine Begegnung der beiden Philosophen Karl Popper und Ludwig Wittgenstein 1946 in Cambridge, England, auf. Es war das einzige Mal, dass sich die beiden österreichisch-jüdischen Emigranten getroffen haben. Im Wettstreit der Worte ergriff Popper ein heißes Schüreisen (engl. „poker“), um seine Gedanken zu illustrieren und schien damit Wittgenstein zu bedrohen. Tanya Ury verändert in ihrer Performance den Dialog in eine in der Vorstellung existierende Interaktion zwischen dem Diktator Adolf Hitler und dem Philosophen Ludwig Wittgenstein. Die Philosophie scheint ins Leere zu laufen angesichts der brutalen Dominanz Adolf Hitlers…


Die Ausstellung

Der Künstler Zoltan Balla, Ungarn, verarbeitet in seinen Arbeiten die Erfahrung von Eingrenzung und sich aggressiv ausbreitender Kolonialisierung. So nimmt er ein jahrtausendealtes chinesisches Brettspiel als Ausgangspunkt, und ersetzt die Spielsteine durch lebendige, sich ausbreitende Pilzkulturen oder baut Installationen, in denen menschliche Silhouetten – einem riesigen Fischschwarm ähnlich – einem inneren Befehl scheinbar gehorchen und sich aufeinander konzentrieren. Im KUNSTBUNKER TUMULKA hat Balla mit 2n Steps "sein Territorium" unübersehbar mit unzähligen menschlichen Silhouetten aus Papier markiert. Bereits durch das Betreten dieses Territoriums wird der Ausstellungsbesucher Eindringling und Eroberer zugleich - er ist Teil des "Spiels"….

In den Jahren 1998-2005, als die deutsche Fotografin Doris Fohnapfel Professorin für Fotografie an der Kunstakademie in Bergen, Norwegen war, pendelte sie regelmäßig zwischen Bergen und Köln und beobachtete die Errichtung der Schengengrenze auf Flug- und Seehäfen. Weitere Reisen an die Ränder Europas führten zur Entstehung ihrer Arbeit Border Horizons 2003-2005 ­ Photographs from Europe welche als DVD-Projektion im KUNSTBUNKER TUMULKA präsentiert wird. Mehrere hundert Photos aus dieser Serie zeigen Sperrgebiete, Militärzonen und Grenzlandschaften des sich neu formierenden Europas.

Der irische Künstler Nick Stewart stammt aus Dublin und lebt seit 1990 in London. Er wird mehrere Arbeiten präsentieren, darunter no-one's not from everywhere (Niemand stammt aus Nirgendwo). Die Serie besteht aus rund 20 Photographien, die Aspekte des nordirischen Lebens reflektieren, und in ihren Details die Präsenz des Nordirland-Konfliktes enthüllen.

“Ich näherte mich diesen ganzen Fragen der irischen Identität über eine Perspektive der Offenheit und des Engagements gegenüber Alltagserfahrungen, die ich gerne „primäre Erfahrung“ nenne. Ich wollte die Aufmerksamkeit auf Erinnerung und Ort fokussieren, auf eine Art und Weise, die - anfangs wenigstens - den Impuls ein Kunstwerk zu machen, überging: sich einfach mit einem so breiten Durchschnitt von irischen Künstlern zu treffen und zu unterhalten wie möglich. Ich konzentrierte mich auf Künstler, weil ich dachte, dass sie - wegen ihrer täglichen Beschäftigung mit diesen Themen in Leben und Arbeit - bedeutsame Sachen über ihr Aufwachsen in Irland sagen könnten.“ Nick Stewart

 

 

Ronni Shendar ist eine israelische Medien-Künstlerin und politische Aktivistin, die sich kritisch mit dem Vorgehen der Regierung gegenüber der palästinensischen Bevölkerung auseinandersetzt. Zusammen mit Till Rohmann ist sie Kuratorin des c.sides Festivals in Jerusalem, das über 100 Künstlerinnen und Künstler zur zeitgenössischen Musik versammelt. In ihren Videoarbeiten wird die apathische Teilnahmslosigkeit und Entfremdung von realen Geschehnissen im Filter der Medien eindrücklich geschildert.

Kristof Szabo Grunderfahrung sind die diversen Zweisprachigkeiten: Aufgewachsen mit der deutschen und ungarischen Sprache, mit der Leidenschaft für Schach, Mathematik und Philosophie ist Szabo geprägt von Ambivalenzen. Die Arbeit des Künstlers zeigt sich bei ihm als eine Reihe von Bildern, die eine neue Bilingualität, jenes bildhafte Denken, das sich in der Sprache zeigt, ausmachen, während sie ihre Form annehmen. All das hält er zuallererst auf Ungarisch fest, dann arbeitet er mit übersetztem Textmaterial auf Deutsch weiter. In der Folge übersetzt er es wieder und wieder, bis dann immer zwei Fassungen in der jeweiligen Sprache bestehen. Beide Fassungen sind Originale.

Tanya Ury, deutsch-britischer Herkunft, wurde 1951 in London geboren, lebt seit 1993 in Köln, wo ein Teil der Familie wohnte, bevor sie wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurde und fliehen musste. In ihrer Kunst arbeitet Tanya Ury mit ihrer jüdisch-deutschen Identität, den Themen Holocaust, Wiederaneignung dieser geschichtlichen Epoche, Rassismus und die Rolle der Frau in diesen historischen Zusammenhängen verlorener Menschlichkeit.

Tanya Ury präsentiert im KUNSTBUNKER TUMULKA DVD-Projektionen: Theme Park, 2006, (Themenpark) zeigt Prora, die erste geplante Stätte des Massentourismus im nationalsozialistischen Deutschland:

„Die vielen 6-stöckigen kasernenähnlichen Gebäude Proras, genannt "Koloss von Rügen", wurden zwischen 1936 und 1939 von der NS-Organisation fast fertig gebaut, und liegen in ca. 150 m Entfernung vom Strand. Dieses etwa 4,5 Kilometer lange Seebad wurde zur Wohlfahrt von 20.000 deutschen Arbeitern eingerichtet, die „Kraft durch Freude“ schöpfen und ihre Nerven für den kommenden Krieg stärken sollten.“ Tanya Ury, 2006

Die Arbeit Promised Land, 2005, (Gelobtes Land) umfasst Kunstarbeiten und Biographien, die Israels Geschichte kommentieren. Zwei Perspektiven von zwei Generationen aus verschiedenen Epochen zeigen die zeitgenössische Sichtweise mit einer biblisch-historischen Bearbeitung.

  

Sponsor der Ausstellung:


   
 

 

 

nach oben

zurück