münchen - new york | eine reduzierte gegenüberstellung


Eine Künstlerin und zwei Künstler aus München, drei Künstler aus New York zeigen im Kunstbunker Tumulka Positionen von Malerei. Wenn so dezidiert auf die lokalen Wirkungsstätten verwiesen wird, stellt sich die Frage nach spezifischen ortsbezogenen Unterschieden. Gibt es die und wenn ja wie manifestiert sie sich in den individuellen Arbeiten ? Alle vertretenen Künstler setzen sich konkret und in abstrakter Weise mit Malerei auseinander. Doch ihre Ansätze sind völlig verschieden, wie die divergierenden Erscheinungsformen der ausgestellten Werke eindrucksvoll erkennen lassen.

Die jüngste Münchner Teilnehmerin, Dany Paal, geboren 1960, unterscheidet sich von allen anrleren durch Verwendung objekthafter Bildträger für ihre Malerei. Auf schmalen langen Holzküsten oder aüf Wellpappe läßt sie die Farbe aus der Wand hervorneten und ihre unterschiedliche Wirkungsweise in Licht und Schattenseiten wahrnehmen. Man muß sich bewegen, sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, um die Schatten als neue Bildqualität zu erkennen. Durch sie wird die starre Hermetik der Kästen aufgelöst. Die Schatten erweitern den materiellen Bildkörper zu einem vielschichtig veränderbaren, visuellen Ereignis. Sie öffnen die Wand und werden immaterieller Teil der Architektur.

Während Dany Paal die Monochromie der Farbe durch reliefartige Bildträger aufbricht oder durch kontrastierende Farbbänder strukturiert, schafft Hubertus Reichert, geboren 1952, großformatige Gemälde aus gebrannter Erde, warmen, roten Eisenoxidfarben. Der Farbton erinnert an antike Wandmalereien etwa aus Pompeji. Nur was damals als monochromer Hintergrund erscheint, wird bei Reichert zu einem fulminanten malerischen Aktionsraum. Die Farbe in ihrem Klangvolumen auszuloten, ist der Inhalt seiner Bilder. Anders dagegen die Palladio-Bilder, die in einer Kombination von Siebdruck und Malerei den strengen Formalismus von klassischer Architektur und avantgardistischem Konstruktivismus zusammenfilhren. Hier ist nichts dem Zufall überlassen, hier nähert sich der Künstler dem Wissenschaftler mit Referenzen an abendländisches Kulturerbe.

Für den in New York lebenden Craig Fisher - geboren 1951 - ist die persönliche Geschichte seiner jüdischen Herkunft von erheblicher Bedeutung in Bezug auf seine Malerei. Die poetisch zarten Bilder vermitteln auf metaphorische Weise die Besonderheit seines Kulturerbes. Die unbehandelte Leinwand, die er von beiden Seiten bemalt, saugt die Farbe auf und läßt sie den Stoff durchdringen. Mal sickert Farbe diffus vom Bildhintergrund durch, mal drücken sich Farbspuren von einem darübergelegten anderen Bild ab, dann wieder setzt der Künstler mit einer ausgestanzten, collagierten "Spolie" ein vielschichtiges Zeichen.

Steven Westfalls Bildsujet ist das Gitter. Damit nimmt der 1953 geborene New Yorker eine Tradition auf, die in den USA viele Referenzen hat, etwa bei Piet Mondrian, Agnes ,Martin oder in der Minimal Art. Sein Gittermuster jedoch beginnt bei längerer Betrachtung - einer Bildstörung gleich - vor den Augen zu flimmern. Das klare Muster ist leicht verrutscht, bildet keine harten Ecken, keine rechten Winkel. Die Linien seiner Bilder kreuzen sich nicht wirklich, vielmehr scheinen sie sich wie weiche Bänder zu einem Geflecht zu verschlingen.

Carry Smith,1955 geboren, malt ebenfalls ein Gittermuster auf die monochrome Leinwand. Durch Farbspuren auf dem weißen Bildgrund und Pinselduktus setzt er bewußt malerische Elemente. Mit dem Bleistift konstruiert er ein gleichmäßiges Raster, das dann durch übereinandergeschichtete Farbstreifen a la Mondrian in den Hintergrund gedrängt wird. Sie verleihen dem Bild einen bestimmten Rhythmus und Räumlichkeit.

Last but not least der in München lebende Manfred Jäger,1942 geboren, mit monochromer Malerei. In vielen Schichten baut er seine Bilder auf, deren oberste Schicht zuweilen noppenartige Struktur aufweist. Dadurch wird das Licht unterschiedlich reflektiert, was der Oberftäche lebendige Effekte verleiht. Ihn interessiert die reine Farbmalerei und ihre sinnliche Wirkung, ohne Assoziationen an Dinghaftes Zusammenfassend gesagt: es geht um die Wahrnehmung von Nuancen und um die Erfahrung, daß Farbe allein Form ist, die jeder Betrachter individuell anders erlebt und empfindet.

Anne Erfle

   
 

 

 

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