plastik & multimedia - szenen einer beziehung


Mit dieser Ausstellung im Münchner Kunstbunker Tumulka treten erstmals junge Künstler der Klasse "Plastik & Multimedia" der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe vor eine größere Öffentlichkeit. Sie beweist, daß die Zusammenarbeit von Theorie und Praxis an der Karlsruher Hochschule keine abstrakte Idee geblieben ist.

Das Fach "Plastik & Multimedia", das jetzt von Jai-Young Park geleitet wird, wurde an der Hochschule für Gestaltung von Marie-Jo Lafontaine gegründet. Es ist im Zwischenfeld von Technologie und herkömmlicher Plastik angesiedelt, wobei es sich sowohl den Anforderungen der Elektronik wie auch der Aufgabe stellt, zum Kunstschaffen im alten Sinne Kontakt zu halten. Vielleicht kann man sagen, däß die Technologie nur die Mittel verändert. Die Frage nach der Kunst wird deshalb nicht von der Technologie entschieden, sondern liegt im Selbstverständnis der einzelnen Studierenden begründet. Die Arbeiten, die hier gezeigt werden, wecken Zweifel daran, daß der Kunstbegriff im Sinne der Ausstellungs- und Marktkunst noch ein durchgängiges Ideal darstellt. Selbsterfahrung scheint manchmal wichtiger als Kunsterfahrung. Begannen die früheren Kunststudenten einmal auf den bewährten Wegen des Kunstschaffens, bevor sie ihren eigenen Weg fanden, so scheint es heute, daß die technologischen Möglichkeiten am Anfang eine größere Faszination ausüben, bevor man sich an sie gewöhnt hat. Zugleich steht der private Bereich so sehr im Blickfeld, daß er eine gemeinsame Linie der Arbeiten nicht mehr zuläßt. Diese Erscheinung ist mit dem Motto des Pluralismus nicht abgedeckt.

Hier findet ein Rückzug aus dem Kunstbereich statt, den die StudentenInnen dennoch, wiewohl mit einer ungewissen Perspektive, studieren. Das alles ist nicht als Wertung gemeint, denn die müßte wieder von einem festen Standpunkt aus erfolgen. Man kann einen solchen Standpunkt einnehmen (er liegt mir sogar nah), doch verlangt der Dialog mit den hier gezeigten Arbeiten, sofern man ihn denn führen will, erst einmal nach Offenheit beim Betrachter, nach der Bereitschaft, mit den Künstlern einen Dialog über die elementaren Themen des Lebens zu führen.

Hans Belting

   
 

 

 

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